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Gemeinsam mit den musizierenden Schulfreunden Pharell und Hugo, später besser bekannt als die Neptunes, arbeiten Malice und Pusher weiter an ihren Fähigkeiten. Das familiäre Duo nennt sich Clipse und setzt kurz danach unterstützt von den bereits erfolgreichen Freunden an zum Sprung ins Rapgame. 1999 erscheint die erste Single "The Funeral" auf Elektra. Die Plattenfirma verschiebt jedoch das fertige Album immer wieder, so dass Clipse ein Jahr später mit Master Ps No Limit-Label in Kontakt treten. Gastauftritte beim Chef persönlich, seinen 504 Boyz und Silk The Shocker folgen. Leider befindet sich der gute Percy Miller zu jenem Zeitpunkt bereits auf dem Abstieg, so dass auch dieser Weg in einer Sackgasse endet.
Und so kehren die Rapper schon bald "Back To The Roots", sprich zurück zu den alten Kumpels Pharell und Hugo. Diese haben mit ihren charismatisch-bouncenden Crossover-Beats mittlerweile das Rap-Geschäft im Sturm eingenommen, und renommierte Künstler wie Jadakiss, Redman, Busta Rhymes, Ol'Dirty Bastard, Britney Spears und die Backstreet Boys stehen vor deren Studiotür Schlange.

So nehmen die Neptunes ihre alten Kumpels bei Startrak Entertainment unter Vertrag und verschaffen ihnen Gastauftritte bei sich selbst, Nelly Furtado, Jermaine Dupri, Kelis und eben den Backstreet Boys. "Einen Namen machen" nennt man dies im deutschen Sprachgebrauch. Den bauen Clipse 2002 mit der Reebok-Werbekampagne von NBA-Star Allen Iverson und ihrer Single "Grindin'", kongenial produziert von den Neptunes, noch aus. Im Spätsommer erscheint dann ihr Debüt "Lord Willin'" und steigt sofort in die Top Ten der US-Billboardcharts ein. Über eine halbe Million Exemplare gehen über die Ladentische.

Auch gegen Ende des Jahres reiten die beiden Brüder weiterhin auf der Erfolgswelle. Wiederum sind sie den Neptunes zu Dank verpflichtet, denn diese produzieren keinen Geringeren als N Sync-Star und Spears-Ex Justin Timberlake und bringen Clipse auf dem Song "Like I Love You" unter. Malice über die Zusammenarbeit mit Justin: "Es war cool, mit Justin zu arbeiten, und er kannte uns bereits. Er mischt zwar eher im Pop-Genre mit, hat aber trotzdem den Blick für die Straße. Es ging reibungslos ab wie eine perfekte Ehe."

Anfang 2003 gehen Clipse auf große Europa-Tour mit Jay-Z, die sie auch zum ersten Mal nach Deutschland führt. Angesichts vergoldeter Verkaufszahlen von "Lord Willin'" möchte man meinen, es sehe rosig aus für das Brüderpaar aus Virginia. Doch die Label-Pechsträhne hält an. Durch die Fusion von Sony und BMG verschieben sich die Labelgrenzen und irgendwie gelangen Clipse unter die Räder - das Star Trak-Camp um Pharrell und Chad wechseln zu Interscope, doch Clipse bleiben bei Jive hängen; insofern ein Problem, weil Jive den Rappern eine Orientierung in Richtung Pop nahe legt. Da hat wohl jemand an Timberlakeschen Kollaborationen Gefallen gefunden. Sehr zum Missfallen von Malice und Pusha. So kündigen sie an, dass sie auf ihrem Nachfolgealbum "Hell Hath No Fury" ihrem Sound treu bleiben wollen. Weil Jive das nicht gefällt und das Label das Thema Clipse vorübergehend ad acta legt, gründen die Brüder ihr eigenes Imprint Re-Up Records, veröffentlichen mit Mixtape-Hallodri Clinton Sparks ihre zwei "We Got It 4 Cheap"-Mixtapes und sorgen so für Aufregung im Untergrund. So viel Eigeninitiative kommt bei Jive gut an und auf einmal rückt Clipse auf den Listen der Herren in der Chefetage nach oben. Wenn sich Kokain-Rap aus Virginia verkauft, sollen sie eben ihren Kopf durchsetzen.

Zu früh gefreut. Der Releasetermin für "Hell Hath No Fury" verschiebt sich zwei Mal, derweil Clipse für Jive nichts als Schimpfwörter übrig haben. Die Ausgangslage könnte schlechter nicht sein, wäre da nicht der Fakt, dass die führende Hip Hop-Gazette XXL das Album in ihrer Dezember-Ausgabe als Klassiker feiert. Erneut liefern die Neptunes einen furztrockenen Synthie-Wahnsinn auf dem Malice und Pusha ihre Dealergeschichten zum Besten geben. Ohne Frage haben sich Clipse hier gegen Jive durchgesetzt und machen genau das, was sie wollen. Aber die Verkaufszahlen bleiben mit 78.000 verkauften Einheiten hinter den Erwartungen zurück. Immerhin gibt es ja noch den guten Justin Timberlake, der Clipse im Remix von "SexyBack" auf Heavy Rotation ins Radio bringt.

Quelle: www.laut.de