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DJ SMASH

 

 "Mein Vater war ein Blue Note-Schüler aus der Ära der Fünfziger und Sechziger. Er versuchte, mir klar zu machen, warum ich mir Dexter Gordon, Art Blakey und Jackie McLean anhören sollte. Mit neun oder zehn Jahren waren jedoch eher Jackson Five oder die Archies das, was ich hören wollte.

Für mich war Jazz nur Krach und ich lehnte ihn komplett ab. Aber mit fünfzehn hörte ich Donald Byrds Album 'Places And Spaces' und es nahm mich sofort gefangen", erinnert sich Wayne Hunter, a.k.a. DJ Smash, in den Liner Notes von "Phonography" an seine erste Begegnung mit dem Jazz. "Dieses Album öffnete mir Ohren und Bewusstsein für die Möglichkeiten des Jazz. Und heute stelle ich Alben für Blue Note zusammen. Mein Vater wäre sehr stolz."

Seine Zusammenarbeit mit Blue Note begann DJ Smash mit einem Remix für das 1991 erschienene Greg Osby-Album "Mantalk". Es folgten mehrere Arbeiten mit Bob Belden, von denen eine, nämlich der DJ Smash-Remix des Lennon/McCartney-Klassikers "Come Together" mit den Stimmen von Cassandra Wilson und Dianne Reeves, hier zu hören ist. Daneben profilierte er sich Anfang der Neunziger als DJ der ersten Stunde im Umfeld der umtriebigen Giant Step-Clubszene in New York sowie als kundiger Kompilator diverser Acid Jazz-Mix-CDs. Seine regelmäßige Zusammenarbeit mit Blue Note-Künstlern brachte ihn auf die Idee eines Albums mit sorgfältig ausgesuchten Blue Note-Remixes. Und das Ergebnis ist so vielfältig und tanzbar wie kaum eine andere aktuelle Veröffentlichung des traditionsreichen Jazzlabels - was sich der Tatsache verdankt, dass hier neben dem für die Edition verantwortlichen DJ Smash auch andere Koryphäen ihres Fachs als federführende Remix-Spezialisten ins Boot geholt wurden.

DJ Smash schwebte dabei keineswegs eine Compilation aus stilistisch unmittelbar benachbarten Bearbeitungen vor, die ohne merkbare Übergänge zu einem beinahe monochromen Ganzen zusammengemixt werden. "Als überzeugter musikalischer Anarchist ist meine grundsätzliche Einstellung, dass für die Herangehensweise keine Spielregeln gelten", beschreibt er die bei der Zuammenstellung geltende Maxime. "Ich habe Remixe von Klassikern und Standards gehört, die ich in die falsche Richtung zielend und schlecht gemacht fand, und ich habe einige ausgezeichnete gehört und gekauft. Nach meiner Meinung sind die Mixes auf diesem Album ein Beispiel dafür, wie man es richtig macht." Und richtig gemacht besteht ein Remix, der ja häufig eher eine funktionelle Übersetzung eines Songs in ein clubkompatibles und damit trendabhängiges Idiom ist, auch den Test der Zeit. "Alle sind in Würde gealtert und einige waren ihrer Zeit weit voraus", fasst DJ Smash die Gemeinsamkeit der hier versammelten Tracks zusammen. "Und es finden sich auch frühe Remixes von Leuten, deren Karriere damals gerade erst begann. Nitin Sawney zum Beispiel, der 'Come On Everybody' von US3 remixt hat, war damals noch unbekannt und ist heute ein anerkannter Star."

Die Chronologie der häufig raren, zum Teil nur als Vinyl oder gar nie kommerziell erschienenen Mixes auf "Phonography" spannt einen Bogen von Todd Terrys früher Bearbeitung von Richard Elliotts "So Special" bis hin zu sehr aktuellen Sachen wie dem Blaze-Mix von St. Germains "Rose Rouge". Dazwischen finden sich hiphop-inspirierte Tracks wie Ali Shaheed Muhammads (A Tribe Called Quest) Bearbeitung von Greg Osbys "Raise" und Gurus Auftritt in seinem Remix von "Whatever Happend To Gus" von Medeski Martin & Wood, Breakbeatiges von Kingsize, und mit lebhaft perkussivem Latin-Touch versehene Neubearbeitungen aus dem Repertoire von Salif Keita ("Toulon Willie" mit Grace Jones), Ronny Jordan ("London Lowdown") und Cassandra Wilson ("Voodoo Reprise"). Summa summarum werden hier nahezu alle Stilarten der modernen Electronica wie Acid Jazz, Hip Hop, Drum'n'Bass, Techno und House fusioniert - Basis bleibt gleichwohl immer der Jazz.

MOTOWN REMIXED

 

Motown, die erfolgreichste Plattenfirma der sechziger Jahre und das wichtigste Soullabel aller Zeiten ist eine lebendige Legende. Das zeigen die zeitlosen Hits und ewigen Stars von Marvin Gaye bis Smokey Robinson, von Gladys Knight über Edwin Starr bis Stevie Wonder. Auch Bands wie Undisputed Truth oder Rare Earth haben Hoffnungen und Träume in Musik verwandelt, genau wie die Supremes, Jackson 5 und Temptations und deren Solostars Diana Ross, Michael Jackson oder Eddie Kendricks. „Einmal Motown-Künstler, immer Motown-Künstler“, meinte Smokey Robinson einmal. „Einmal Hit, immer Hit“, könnte man den Altmeister jetzt ergänzen.

„Motown Remixed“ macht aus den Hits der oben genannten Stars hippe und hochaktuelle Lieblingslieder für heute und übermorgen. Seit Jahrzehnten in Planung und seit Jahren in Arbeit, präsentiert „Motown Remixed“ jetzt endlich einige der besten Neubearbeitungen der internationalen Remixer-Rige. Kenny Dope von Masters At Work oder Philly-Legende Jazzy Jeff, dazu DJ Spinna oder auch DJ Friction und die Turntablerocker nehmen sich Klassikern wie „War“, „ABC“, „Neither One Of Us“ und „Papa Was A Rolling Stone“ an. Entstanden ist dabei viel mehr als eine Sammlung hochkarätiger Remixe. Dieses Album ist wie eine Wiedergeburt, die einmal mehr verdeutlicht, wie großartig die Songs aus „Hitsville U.S.A.“ sind und wie universell und unsterblich ihre Sehnsüchte und Leidenschaften bleiben werden.