Von den Venezuelanischen Popstars Los Amigos Invisibles lernen, heißt tanzen lernen. Und keine Frage, Los Amigos Invisibles geben gerne Nachhilfe. Denn nie vorher hat eine Gruppe in klassischer Bandbesetzung mehr funky, mehr catchy und verführerischer geklungen als diese Band aus Caracas. Sie vermischen die Vorzüge eines DJ-Sets mit denen einer Liveband: Sie machen mit ihrer energetischen Livepräsenz (egal ob auf der Bühne oder auf CD) das Publikum glücklich.
Das war schon 1991 ihr bestes Argument, als sie sich zusammen taten, weil sie von der in Venezuela dominierenden musikalischen Gothic- und Rocklandschaft derart gelangweilt waren, dass sie sich entschlossen, die beste – unter den gegebenen Umständen allerdings auch die einzige – Venezuelanische Dance-Band zu werden. Diesem Ansinnen folgte ein Kreuzzug durch die Clubs von Caracas. Es galt die Besitzer zu überreden, sie spielen zu lassen. Denn es herrschte die Meinung vor, dass Tanzmusik ausschließlich Merengue und Salsa sei, und dass elektrische Gitarren natürlich nach Punk klingen. Doch schon mit ihren ersten Auftritten eroberten Los Amigos Invisibles die Clubs der Stadt und boten ihren Freunden endlich wieder einen Zugang zur Tanzmusik.
Schon auf ihrem Debüt von 1995, "A Typical And Autoctonal Venezuelan Dance Band" wurde klar, dass es keine musikalischen Grenzen für Los Amigos Invisibles gibt. Mauricio Arcas: Percusion, Julio Briceño: Gesang, Armando Figueredo: Keyboards, José Luis Pardo: Gitarre, Juan Manuel Roura: Schlagzeug und José Rafael Torres: Bass, spielen was ihnen gefällt: Boogaloo, Salsa, Bossa Nova, Funk, Disco, House, Techno, Jungle, Merengue, New Wave, Cha-Cha-Cha, Mambo, und keine Frage:
Acid Jazz. "Wir sind eine Rockband, die einfach keinen Rock spielt", erklärt der Sänger Jose Briceño. Wo sich andere Produzenten eine Beatbox oder einen 808-Syntheziser kaufen und ihre Loops programmieren, da wollen sie den umgekehrten Weg gehen. "Einen Beat programmieren kann jeder", erklärt der Gitarrist José Luis Pardo, "wir gehen den umgekehrten Weg: Wir versuchen diese Geräusche mit unseren Instrumenten zu machen."
Nachdem die Band wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage ihre Heimat mit 20 CDs unter dem Arm Richtung New York verließ, wollte es der Zufall, dass so ihre Karriere erst die richtige Zündung bekam. Dort verteilten sie ihre Musik in verschiedenen Plattenläden und warteten, was passiert. Was passierte war, dass David Byrne, notorischer Sucher nach dem ultimativen Sound, Kreativkopf der legendären Popband "Talking Heads" und Chef des Latin-affinen Labels Luaka-Bop in einer der Plattenläden kam, das Debütalbum hörte, sich die Rufnummer auf der Rückseite der CD-Hülle notierte und das nächste Telefon aufsuchte. Kurze Zeit später waren Los Amigos Invisibles teil der Luaka-Bop Familie. Zwei Jahre später erschien dann mit "The New Sound Of The Venezuelan Gozadera" ihre erste Platte auf dem New Yorker Label.
Was folgte waren Lobeshymnen der amerikanischen Presse:
‘This is the kind of tropical party platter that Beck would trade two turntables and a microphone to make’ urteilt z.B. der Rolling Stone.
‘The pan-global joyride of the year’ findet das Time Out, New York.
An anderer Stelle wird wie folgt jubiliert: "Like having an incredible DJ at your house working for the mere price of a CD (or Cassette)... it flows and swings and never stops... one song/groove leads right into the next, no waiting. It feels like being smacked upside the head in a delicious way."
Dieser Anziehung, auf CD wie auch live, als lebendiges DJ-Set aufzutreten brachten ihnen außerdem zahlreiche Bewunderer in der Musikszene. So produzierten sie u.a. für die Basement Jaxx, David Byrne, Fantastic Plastic Machine oder die Beastie Boys Remixe (nachzuhören, wie übrigens alle bisher produzierten Songs, auf der vorbildlichen Homepage www.amigosinvisibles.com)
Auch die "Masters at Work" "Little" Louie Vega und Kenny Dope spitzten ihre Lauscher und luden Los Amigos Invisivbles zu einer Jamsession ein. Das Ergebnis, die 12" "Bruja" rockte so dermaßen, dass man sich entschloss, auf Albumlänge gemeinsame Sache zu machen. Das Ergebnis ist ihr viertes Album "The Venezuelan Zingason"- eine beinahe 80-minütige Lehrstunde in Sachen intelligenter Latinpopmusik, die nicht kopflastig ist. Der Offbeat hüpft mal unter den leicht softpornoesken Keyboardharmonien, mal wird komplett südamerikanischen Traditionen das Wort erteilt. Die Melodien gehen direkt ins Ohr und setzen sich für den Rest des Tages dort fest. Schon nach den ersten vier Tracks ist jeder noch so spröde Tag ein besserer und wenn die CD vorbei ist, fragt sich auch der Niedergeschlagenste: "War was?"
Wer sich die Videos dieser unglaublichen Band ansieht (ebenfalls im Netz – auch unter www.luakabop.com), der versteht, mit wie viel Freude hier gearbeitet wird. Diese Freude schwappt nun auch endlich über den Ozean nach Europa. Als Vorbote steht DJ Dimitiri From Paris zur Verfügung, der sich schon vom Beat infizieren ließ, und Los Amigos Invisibles um eine Zusammenarbeit für sein nächstes Album bat. Mal sehen, wer es ihm in unseren Breiten gleich tut. Nötig wäre es.
Veröffentlichte CDs:
1995 – A Typical And Autoctonal Venezuelan Dance Band (EMI Venezuela)
1997 – The new sound of the Venezuelan Gozadera (Luaka-Bop)
2000 – Arepa 3000 a Venezuelan journey into space (Luaka-Bop)
2003 – The Venezuelan Zingason (Luaka-Bop)