Während die Augen des Erdenvolks in Sachen nuklearer Aufrüstung sorgenvoll auf Teheran gerichtet sind, ist im Herzen Frankreichs eine Rakete gezündet worden, die jeden Tanzflur der Welt zum Zerbersten bringt und allen Anwesenden dermaßen Feuer unterm Hintern macht, dass bei der bloßen Erwähnung ihres Namens bereits massenhaft die Rauchmelder anspringen: Die Rede ist von DJ Missill.
Die Kritiker überschlagen sich vor Lobeshymnen, die Tanzwütigen machen sie zur neuen Göttin der Club-Szene und allen Normalsterblichen explodiert wahrscheinlich der Kopf bei so viel kreativem Output. Mit ihren entzückenden 25 Jahren hat sie es bereits geschafft, sämtliche Superlative auf sich zu vereinen, wenn man den bisherigen Pressestimmen glauben schenken darf. Von „hottest new female jock“ (DJ Mag, April 07) bis „europe’s most exciting up and coming DJ“ (Time Off Mag, November 07) reicht die Palette, mal wird sie mit „incredibly talented“ (KissFM.com, November 06) umschrieben, mal als “the future” (M8, März 06) betrachtet – und alle haben sie Recht.
Sie selbst beschreibt ihren Sound mit „Electro, HipHop, Rock, Baile Funk, Dubstep, Reggae, Dancehall & More“, wobei die Betonung wohl vor allem auf Letzterem liegt. Denn was die Pariser DJ-Göre da auf ihrem Debüt-Album zwischen die Plattenrillen rotzt, ist vor allem Mehr. Ein Mehr an Kreativität, ein Mehr an Vielfalt und ein Mehr an unbändiger Liebe für ihr eigenes Schaffen.
Mal ganz abgesehen davon, dass sich Emily, wie die Französin mit bürgerlichem Namen heißt, neben ihrer Passion für’s DJing und Produzieren auch noch als Grafik Designerin und Graffiti Writerin verdingt, ihre eigenen Klamotten entwirft und hervorragende Videos dreht (um nur mal einen kleinen Auszug ihres künstlerischen Repertoirs aufzulisten), ist sie nicht gewillt, sich auch nur ansatzweise in eine Schublade stecken oder musikalisch limitieren zu lassen. Jegliche Kategorisierungen kann man daher direkt auf den Mond schießen. Denn wenn DJ Missill erstmal eine ihrer kreativen Ideen gezündet hat, bleibt von vorgefertigten Meinungen, festgefahrenen Soundbildern oder veralteten Club-Konzepten sowieso nicht mehr viel übrig.
DJ Missill atmet noch mit jeder Pore den HipHop-Vibe vergangener Tage, in dem aus Altem Neues geschaffen wurde und musikalische Mauern dermaßen über den Haufen gefahren wurden, dass eine erneute Grenzziehung schlichtweg unmöglich war. Und wer bereits ein Ohr bei DJ Missills Mix-Compilation „Mash Up“ aus dem Jahre 2005 riskiert, wer sie mal an ihren Decks vor hypnotisierten Jüngern gesehen oder nun die volle Breitseite ihres musikalischen Könnens gespürt hat, der wird kaum mehr ernsthaft an DJ Missills Fähigkeiten zweifeln oder ihre immense Bedeutung für die Pariser Club-Kultur kleinreden wollen.
Durch ihre unglaubliche Offenheit hat sie es in den letzten Jahren auf weit mehr als 400 Gigs bei allen großen europäischen Festivals gebracht. Sie hat in mehr als 25 Ländern auf allen fünf Kontinenten gespielt, hat sowohl kleinste Clubs zum Hot-Spot gemacht, als auch Massen von 15.000 Leuten ihr mannigfaltiges Musikverständnis in den Arsch geblasen.
Ihre Versiertheit an den Plattenspielern und die Weite ihres musikalischen Horizonts lassen es zu, sie zwischen allen erdenklichen Acts oder DJs auftreten zu lassen. Kein Bruch, den sie nicht künstlerisch kitten könnte, kein Genre-Graben, den der Sound von DJ Missill nicht überwinden könnte. Einzigartig und fesselnd lässt der weibliche Wirbelwind seine musikalischen Muckis spielen und boxt dabei jegliche Art von Zugständnis aus den abgewetzten Tanzschühchen. Ihr dynamisch-innovativer Stil setzt dermaßen viel Energie frei, dass sich nichtmal Hörgeschädigte ihrer hypnotischen Anziehungskraft ernsthaft widersetzen könnten. Aber wer will das auch schon?!
„Urban Punk“ wurde DJ Missill in der UK-Presse getauft, und sie ist nicht nur in musikalischer Hinsicht ein Tausendsassa. Sie gestaltet mal eben im Vorbeigehen das komplette Cover-Artwork ihrer eigenen CDs, designet Websites, entwirft Flyer, aber dekoriert auch gerne mal ganze Clubs in Frankreich, Russland oder der Türkei nach ihren eigenen Vorstellungen um.Außerdem hat sie eigene Charaktere entwickelt, die ihre Crew und alle Leute darstellen, mit denen sie bisher zusammengearbeitet hat (Don’t F**k with Missill Family on myspace.com/djmissill). Dazu gehören beispielsweise so namhafte Künstler wie Dynamite MC, DJ Vadim-Protegé BluRum 13, Junior Red, die brasilianische Baile Funk-Koriphäe Edu K, Bonde Do Role-Produzent Chernobyl oder Yethz.
Mit „Targets“ legt DJ Missill nun ein Debüt-Album vor, dass ihren energiegeladenen Live-Shows in nichts nachsteht und die Power ihrer DJ-Sets 1:1 auf einen Tonträger übertragen hat. Ein Debüt-Album, dass ihre Schöpferin endlich dahin bringen wird, wo eine Missile aka Missill letztendlich hingehört – und zwar nach ganz oben. Denn warum mit der Erde zufriedengeben, wenn einem doch die ganze Welt offen steht?